Klartext

Es war Anfang des Jahres 2007, als ich mir erstmals ernsthafte Gedanken über eine Umrüstung auf Autogas machte. Das Benzin würde nicht billiger werden, und schon die aktuellen Spritpreise rechtfertigten den Umbau auf einen bivalenten Antrieb. Da ich meinen Wagen, den ich schon seit 7 Jahren fuhr, noch einige Zeit fahren wollte, spielte es keine Rolle, ob sich die Anlage nach 30 - oder 40.000 km amortisierte.

Also begann ich mich bezüglich LPG, also Flüssiggas, schlau zu machen. [So dachte ich damals jedenfalls. Richtig gelernt hatte ich erst durch die Probleme nach der Umrüstung. Auch deshalb hier dieser Bericht, damit andere Umrüstwillige meine schlechten Erfahrungen nicht machen müssen.]

Ich stöberte also im Internet nach Informationen. Nach ein paar Wochen, in denen ich hauptsächlich in einem bestimmten Autogas-Forum las, hatte ich meinen Umrüster -und damit auch die Anlage- gefunden. [Ich hatte -was sich im Nachhinein auch als richtig erwies- gelernt, dass der Umrüster wichtiger war als der Hersteller der Anlage.] Im genannten Forum gab es einen Menschen, der im Forum als “Papst” für Autogas-Anlagen in NRW galt. Und der hatte seinen Betrieb ganz in der Nähe.

Welch Glück....

Also telefonisch einen Informations-Termin ausgemacht. Als ich dann am Tag des vereinbarten Termins auf den Hof des Umrüsters fuhr, war ich geschockt. Was ich sah war eine Bastlerbude. Ich stand etwa eine Minute in der Einfahrt, und fuhr dann rückwärts [ich wolle nicht weiter auf den Platz fahren um dort zu wenden] vom Hof - obwohl ich wegen einer Mauer eine extrem schlechte Sicht hatte und rückwärts auf die -stark befahrene- Hauptstraße musste. Alles in mir sagte nur: Weg hier!

Die nächsten vier Wochen verbrachte ich wieder im besagten Forum. Ich "googelte" zudem gezielt nach dem Umrüster, der auch in anderen Foren aktiv war. Es gab zwar auch einige leicht negative Einträge, aber alles andere hätte mich auch stutzig gemacht. Damals wusste ich nicht, dass im besagten Autogas-Forum die “richtigen” Negativeinträge zu diesem Umrüster schnell gelöscht wurden. Es wäre umso wichtiger gewesen diese Einträge zu lesen, da ich dann erfahren hätte, dass es gut ein Dutzend Kunden gab, die erhebliche Probleme mit extrem schlechten Umrüstungen dieses Umrüsters gemacht hatten.

Die ganzen positiven Einträge, meist von Schreibern, die bis dato wenig aktiv waren, bewogen mich dazu, nicht auf meiner innere Stimme, auf die ich mich bis dato immer verlassen konnte [und im Nachhinein auch in diesem Fall] nicht zu hören.

So musste ich meine Erfahrungen leider selbst machen. BTW: Danke an die Mods des Forums, die Negativeinträge zu dem Umrüster schneller lösch(t)en als Lucky Luke seinen Colt ziehen kann... :-(

[Nachtrag: Inzwischen wurde der besagte Umrüster von den Moderatoren aus dem Forum entfernt, da durch einen Fehler seinerseits den anderen Forenmitgliedern bekannt wurde, dass der Umrüster unter mehreren Accounts schrieb, und seine eigene Arbeit -unter anderem Namen- positiv bewertete.]

Ich machte also einen erneuten Termin und fuhr zur Beratung zum besagten Umrüster. Die Beratung war zwar knapp, aber m. E. ehrlich. Es würde, lt. Umrüster, wohl 40.000 km dauern, bis sich die Kosten für die Anlage amortisierten. Ok, rechnen konnte ich ja selbst. Meine Frage nach einem abschließbaren ACME-Tankverschluß verneinte der Umrüster. "Sowas gibt es nicht." [Leider "googelte" ich erst Tage später nach dem verschließbaren Tankverschluß und wurde prompt fündig.]

Ich brachte also den Wagen am vereinbarten Termin, einem Montag, zum Umrüster. Mein negatives Gefühl unterdrückte ich dabei. Ich hatte beschlossen in dieser Angelegenheit nicht auf meine "innere Stimme" zu hören – und dachte deshalb bei allen Merkwürdigkeiten erstmal positiv.

Der Wagen sollte am Freitag fertig sein.

Am besagten Freitag rief ich den Umrüster an um zu fragen, wann ich den Wagen abholen könnte. Dieser teilte mir mit, dass es ein Problem mit dem Steuergerät gäbe und der Wagen erst am Montag fertig sei. Er würde am Sonntag ein neues Steuergerät beim Lieferanten holen. Dabei klang es mir so, als ob, wenn ich auf heutige Fertigstellung bestanden hätte, der Wagen fertig geworden wäre...

Montagmittag? "Nein, Spätnachmittag. Wegen TÜV und so. Aber vorher anrufen." Erst später sah ich zufällig, dass der TÜV-Bericht vom 24.08.2007, also vom Freitag war. Warum ich den Wagen nicht am Freitag bekam? Das wüsste ich gern. Wie ich später erfuhr, war die Ausrede "Steuergerät" die Standard-Ausrede für merkwürdige Verzögerungen.

Meinen Termin in Emden am Samstag konnte ich jedenfalls vergessen.

Am Montagabend konnte ich dann meinen Wagen abholen. Als ich den Wagen begutachtete stellte ich fest, dass der Reserveraddeckel offen stand. Verflucht! Ich hatte extra einen kleinen Tank gewählt, damit sich dieser schliessen liess. Der Umrüster war ausdrücklich informiert, dass sich der Reserveraddeckel schliessen lassen musste! Was nutzt einem ein Kombi, wenn man die Ladefläche nicht wirklich nutzen kann?

Besonders stolz war der Umrüster -wie er mir verriet- auf die Lage der ECU (Steuergerät). Nun, die ECU war an den Block des ABS-Systems geschraubt. Was an der Idee so gut war konnte ich nicht nachvollziehen.

Als ich den Umbau bezahlte eröffnete mir der Umrüster, dass, wie vorher mitgeteilt, der Wagen den TÜV nicht bestanden hatte (erhebliche Mängel: Abgasgutachten fehlt).

Bitte???

Davon war vorher nicht die Rede. Ich war im Glauben einen TÜV-abgenommenen Wagen abzuholen.

Jedenfalls meinte der Umrüster das Abgasgutachten würde noch fehlen. Nun, ich hatte ja beschlossen nicht auf meine innere Stimme zu hören und alles erst mal positiv zu sehen. Definitiv hatte mir der Umrüster nichts gesagt, aber vielleicht hatte er es nur vergessen und glaubte es erwähnt zu haben.

Positiv denken...

Es würde etwa 4 – 6 Wochen dauern, bis das AGG eintreffen würde. Dummerweise hatte ich den Wagen schon bezahlt, als er mir das eröffnete.

Es war jedenfalls erstmal ein gutes Gefühl auf Gas zu fahren. Ich bearbeitete den Reserveraddeckel, sodass sich dieser schließen ließ, und konnte meinen Wagen wieder als Kombi nutzen.

Was mir direkt auffiel war, dass die Anlage morgens (es war Sommer) etwa vier Kilometer bis zum automatischen Umschalten auf Gasbetrieb benötigte. Außerdem wurde der Motor (viel) langsamer warm. Ein Anruf beim Umrüster ergab, "dass wohl noch Luft im Kühlsystem sein müsse".

Nun, heute weiss ich, dass wirklich Luft im System war. Allerdings nicht im Kühlsystem meines Wagens...

Das Umschaltverhalten bei betriebswarmen Motor war noch schlechter. Es war schlicht nicht vorhersehbar. Laut Spezies aus dem Forum sollte die Anlage, bei warmen Motor, innerhalb von 16 Sekunden umschalten. Mein Umschaltverhalten lag im Bereich von 16 Sekunden bis unendlich – sprich: manchmal schaltetet die Anlage gar nicht auf Gasbetrieb um.

Ich liess die Umschalttemperatur von 40°C auf 30°C ändern. Meine Probleme schienen den Umrüster nicht sonderlich zu stören. Von Motivation, den Fehler zu finden, war nichts zu erkennen.

Auf meine Frage, ob denn die geänderte Temperatureinstellung dazu führen würde, dass die Anlage früher auf Gas umschaltete meinte der "Umrüst-Papst": "Kann sein." Dafür meinte auf meine Frage, warum denn die Aufkleber der Fahrzeugkennung in der Resereradmulde halb überlackiert wurden: "“Das war vorher schon".

Interessant. Ich dachte ich kenne meinen Wagen.

Die Schläuche von den Rails zum Ansaugkrümmer waren ca. 250 mm lang. Lt. anderen Forumsmitgliedern durfte die maximale Länge -lt. Stargas-Handbuch- 150 mm nicht überschreiten. In anderen Foren schrieb der Umrüster mehrfach selbst, dass die Schläuche so kurz wie möglich sein sollen.

Darauf angesprochen meinte mein Umrüster, es dürften bis 250 mm sein. Später bekam ich von einem freundlichen Menschen ein Stargas-Handbuch. 150 mm war korrekt. Aber wer selbst keine Anlagen einbaut muss auch kein Handbuch zum Einbau kennen...

Inzwischen begann ich es als Fehler zu sehen nicht auf meine innere Stimme gehört zu haben.

Ich besuchte ein Passat-Treffen in Bochum. Dort traf ich auf freundliche und hilfsbereite Leute, die teilweise auch schon ihre Erfahrungen mit diesem Umrüster gemacht hatten. Halleluja! Erst jetzt erfuhr ich, was ich -wenn die Mods nicht alle negativen Beiträge des Umrüsters umgehend gelöscht hätten- schon vorher im Forum hätte erfahren können. Womit mir dieser Umrüster mit Sicherheit erspart geblieben wäre...

Ein Passatfahrer wartete schon 10 Wochen auf sein AGG - fuhr also, wie ich inzwischen, mit einem Wagen ohne ABE rum. Im Falle eines Unfalls hätte das existenzvernichtend sein können. Dafür wies die Anlage seines Wagens gefährliche Einbaufehler auf.

Ich begann mich dafür, nicht auf meine innere Stimme gehört zu haben, zu verfluchen.

Bei der 1500km-Durchsicht ließ ich die Umschalttemperatur auf 35°C einstellen, da der Motor, wenn er kalt war, zum Absterben neigte. Überhaupt verschluckte sich der Motor beim Gasgeben. Die Durchsicht erledigte ein Mitarbeiter, der, wie ich erfuhr, auch meinem Wagen umgerüstet hatte. Er war es auch, der die Aufkleber in der Reserveradmulde überlackiert hatte.

Von wegen "Das war vorher schon."

Neuer Termin zwecks Problembeseitigung. Mein Umrüster bastelte etwas, aber nicht übertrieben viel - dafür planlos. Kurz: Es änderte sich nichts. Der Umrüster vermutete den Fehler nun in einem defekten Steuergerät. Er würde ein neues Steuergerät bestellen. So 1 - 3 Wochen würde das wohl dauern. [Dass dieses Steuergerät nie von ihm bestellt wurde, erfuhr ich erst später.]

Meine obligatorischen Frage nach dem AGG ergab die gewohnte Antwort.

Ich begann mich zu fragen, woher denn die vielen positiven Beiträge im Forum zu diesem Umrüster kamen. Inzwischen hatte ich den Verdacht, dass er diese -unter verschiedenen Accounts- selbst erstellte.

Eine weitere tel. Anfrage bez. des AGG beim Umrüster ergab, dass es “noch” nicht da sei, aber "täglich eintreffen könne". Es überraschte mich irgendwie nicht, dass das Papier dabei auffällig laut raschelte. [Das AGG konnte gar nicht kommen, da der Umrüster meine Anlage noch nicht bei seinem Lieferanten bezahlt hatte, wie ich später vom Lieferanten persönlich erfuhr.]

Auf die Frage, warum das den so lange dauere (inzwischen wartete ich seit gut 8 Wochen auf das AGG) meinte der Umrüster, dass die Leute beim TÜV so langsam wären und es deshalb wochenlang dauerte.

Hmmm....

Mein Mail-Anfrage beim TÜV ergab, dass es max. etwa vier Tage dauerte bis ein AGG für Euro2 ausgestellt sein. Wie sich später rausstellte, waren die TÜV-Mitarbeiter sogar noch schneller.

Im Forum tauchte inzwischen ein Schreiben des Bundesamtes für Verkehr auf, das als Freibrief für das Fahren ohne ABE gewertet wurde. Das Schreiben wurde von einem Umrüster zur Veröffentlichung durch das Forum freigegeben. Die Reaktionen auf das Schreiben zeigten, dass anderen Umrüstern dieser vermeintliche Freibrief sehr gelegen kam, da sie ihren Kunden ähnlichen Unsinn [man darf monatelang ohne ABE rumfahren] erzählten.

Ich schrieb den Verfasser des Schreibens vom Bundesamt an und erfuhr, dass sich dieses Schreiben auf einen Einzelfall bezog und in keiner Weise ein Freibrief für das Fahren ohne ABE war. Im Gegenteil.

Also war der Umrüster, der das Schreiben freigegeben hatte, intellektuell nicht in der Lage dieses richtig zu interpretieren, oder er nutze es gezielt um seine Kunden ruhig zu stellen. Es entstand der Verdacht, dass dieser Umrüster die Anfrage an das Bundesamt extra so gestellt hatte, dass die Antwort gezielt eingesetzt werden konnte. Denn in der Anfrage des Umrüsters ging es um die Zeit zwischen der positiven TÜV-Abnahme und dem Eintrag in die Fahrzeugpapiere beim STVA, also um 1 - 2 Tage. Keinesfalls aber um mehrere Monate!

Ausgerechnet dieser Umrüster hielt dann bei einem Forums-Treffen einen Vortrag über Abgasgutachten...

Neuer Versuch bez. des AGG. Mein Umrüster meinte nun, ich solle es selbst mal bei seinem Lieferanten versuchen. Er hätte mit seinem Lieferanten Streit, weil dieser (sein Lieferant) seine (des Umrüsters) Kunden belüge und betrüge. [Das hatte ich sogar schriftlich von meinem Umrüster bekommen. Mail mit ID gesichert.]

Bitte???

ICH soll nun versuchen mein AGG bei seinem Lieferanten zu bekommen? Klasse! Aber was blieb mir anderes übrig?

Dann der Knall: Mein Umrüster machte seinen Betrieb dicht. Und wie erfuhr man das? Natürlich über das Forum. In einem langen Beitrag erklärte er, warum er seinen Betrieb dicht macht. Tenor: Böse Kunden setzten ihm zu. [Den vermutlich wahren Grund erfuhr ich später.] Aber er, der gute Umrüster, würde seine Kunden nicht im Regen stehen lassen...

Ich nahm Kontakt zum Lieferanten meines Umrüsters auf. Dieser zeigte sich sehr umgänglich und nett. Per Mail beantragte er mein AGG. Am übernächsten Tag rief ich beim TÜV an und erfuhr, dass mein AGG ausgestellt sei. Man übermittelte mir das AGG sogar vorab per Fax! Am nächsten Tag bekam ich das gescannte AGG vom Lieferanten per Mail, am Tag darauf das Original per Post.

Termin beim mobilen TÜV, danach zum STVA – und meine Anlage war eingetragen. Drei Monate nach Einbau der Anlage...

Auffällig bei der TÜV-Abnahme war, dass der Prüfer -der ja eigentlich nur das Abgasgutachten sehen mußte- den Einbau überprüfte, als ob er den Wagen vorher noch nie gesehen hatte.

Inzwischen hatte ich von anderen Geschädigten meines Umrüsters erfahren, dass der Lieferant des Umrüsters dessen Einbaufehler behoben hatte. Ich machte also einen Termin bei dem Lieferanten.

Vorher brachte ich den Wagen in die VW-Werkstatt um auszuschliessen, dass die Umschaltprobleme an einem defekten Thermostat lagen. Die Symptome deuteten klar auf ein defektes Thermostat hin. Das Thermostat wurde erneuert - aber die Symptome blieben. Der Motor wurde weiterhin sehr langsam warm und in Ortschaften fiel die Temperatur bis auf 68°C ab. 223 Euro und ein Arbeitstag für die Tonne...

Dann der Termin beim Lieferanten des Umrüsters. Ein Mitarbeiter des Betriebs nahm sich meines Wagens an. Er ging sehr methodisch vor und hatte den Hauptfehler innerhalb weniger Minuten gefunden. Der Verdampfer war nicht richtig in den Kühlkreislauf eingebunden. 2Nicht richtig" ist dabei noch sehr freundlich formuliert!

Innerhalb weniger Minuten war das Umschalt- und Temperaturproblem behoben. Etwas, was dem "Umrüst-Papst2 vier Monate lang nicht gelang.

Auch die Fehlerbeseitigung des schlechten Ansprechverhaltens war für den Fachmann nur eine Formsache.

Nebenbei erfuhr ich, warum ich solange auf mein AGG warten musste: Mein Umrüster hatte meine Anlage noch nicht bezahlt. Er hatte mein Geld genaugenommen also (teilweise) unterschlagen. Von wegen "der TÜV braucht so lange". Unnötig zu erwähnen, dass auch kein neues Steuergerät bestellt war...

Ich erfuhr dafür, dass mein Umrüster mit einem fünfstelligen Betrag beim Lieferanten in der Kreide steht und Anlagen nur noch gegen bar bekommt. Könnte das der wahre Grund für die Betriebsschließung sein?

Aktueller Stand: Der Wagen schaltet, jetzt im Winter, innerhalb eines Kilometers auf Gasbetrieb um. Bei betriebswarmen Motor erfolgt die Umschaltung zuverlässig nach wenigen Sekunden – immer! Das Ansprechverhalten des Motors unter Gasbetrieb ist gut. Auch bei -5°C ist der Motor innerhalb von 2 km auf 90°C - und hält die Temperatur auch!

Durch die Zusatzkosten, die durch meinen stümperhaften Umrüster entstanden, amortisiert sich die Anlage nun erheblich später.

Hinweis: Bilder des Umbaus befinden sich in der Galerie.

Abschliessend:

Es gibt sicher viele gute Umrüster. Man muss halt nur wissen, worauf man achten muss, wenn man seinen Wagen auf Gasantrieb umrüsten lassen will.

Ich hoffe, dass meine -hier niedergeschriebenen- Erfahrungen anderen Umrüstwilligen helfen, Fehler, wie ich sie gemacht habe, zu vermeiden.